Der Logenornat

Der Logenornat

 

 

von Mstr.  Amenophis

 

 

Schon seit dem frühen Altertum legten Menschen, wenn sie sich zu Feiern persönlicher, familiärer oder religiöser Art begaben, Ihre Feierkleider an. Im alten wie im neuen Testament gibt es genügend Hinweise darauf, ebenso wie jedermann in der auf unsere Tage überkommenen Kulturgeschichte der Ägypter, Griechen oder Römer nachlesen kann, um nur die uns zeitlich näher liegenden Epochen herauszugreifen.

 

Diese Sitte ist sicher ein Zeichen von gesundem Kulturempfinden, und der Mensch brachte dadurch zum Ausdruck, dass er den Alltag mit seinen Sorgen auch mit den Alltagskleidern ablegte und mit den Feierkleidern je nach dem Sinn und Zweck der Feier Ernst, Würde oder unbeschwerte Fröhlichkeit entfalten wollte.

 

Man darf wohl behaupten, dass diese Gepflogenheit nie ganz aus dem Kulturleben der Menschheit verschwunden ist, wenn es auch immer Zeiten von kürzerer oder längerer Dauer gegeben hat, in denen man diese Sitte für überflüssig hielt und beiseite stellte.

 

Auch in unserer heutigen Zeit leben wir in einem solchen Interregnum, wenn man so sagen darf, wo auf die feierliche Bekleidung kaum noch Wert gelegt wird. Während noch in den Zeiten des Kaiserreiches der Kirchenbesucher seinen Sonntagsrock hervorholte und den hohen Hut aufsetzte, um so den Ernst eines Gottesdienstes zu betonen, die Theaterbesucher den Gesellschaftsanzug anlegten und die Damen in großer Gesellschaftstoilette zu erscheinen pflegten, um dem Kunstgenuss eine feierliche Note zu geben, sieht man heute die Menschen im Straßenkleid oder Sportanzug zu Feiern jeglicher Art laufen, damit dokumentierend, dass ihnen Kultur ein Fremdwort geworden ist, denn die Zivilisation hat in ihrer Hemdsärmeligkeit die Kultur längst totgeschlagen.

 

Man könnte hier einwerfen, dass die wirtschaftliche Not nach zwei Weltkriegen eigentlich Schuld daran wäre; das soll bedingt unbestritten sein. Doch bei dem immerwährenden Auf und Ab im Dasein der Menschheit folgen auf die mageren Jahre auch wieder die fetten und somit wäre das kein triftiger Grund, nicht mehr zu den ungeschriebenen Gesetzen der Kultur zurückzukehren.

 

Ein Dichter sagte dazu in einem Aphorismus treffend: "Sinnen! Wie sich's wandelt Außen, wandelt sich's auch Innen! "

 

Eine Ausnahme von dieser zeitgemäßen Entwicklungsphase machte bisher stets die klerikale Berufsschicht, wie auch die Mitglieder von Orden, Logen oder Bruderschaften.

Es wäre auch sinnwidrig, und hieße eine religiöse Handlung jeglicher Feierlichkeit entkleiden, wann die Priester nicht mehr ihre Gewänder für den Gottesdienstbenutzen würden. Die Orden würden durch Aufgabe ihres uniformierten Ordenskleides zu einem gewöhnlichen Vereinesniveau herabsinken und für die Logen und Bruderschaften gilt ein gleiches. Während nun die Priester und Ordensangehörige sozusagen grundsätzlich gezwungen sind, ihre sakralen Gewänder oder Ihre Ordenstracht beizubehalten, besteht in dieser Hinsicht für die Logen und Bruderschaften eine gewisse Freiheit.

 

Und so sieht man dann auch heute, dass die Mitglieder einer Freimaurerloge nicht mehr wie in früheren Zeiten im schwarzen Gesellschaftsanzug, zu dem der obligate Zylinder gehörte, zum Logentreffen gehen, sondern der Würde eines Logenabends lediglich noch den dunklen Anzug konzedieren. Von einer finanziellen Notlage kann hier gewiss nicht gesprochen werden. Diese Konzession zur Saloppheit der heutigen Bekleidungsmode hört jedoch an der Pforte zum Tempel auf. Denn die sakrale Bekleidung der Freimaurerlogen besteht im Schurzfall und den Stulpenhandschuhen, ohne die kein Mitglied an rituellen Teil einer Logenfeier teilnehmen darf.

 

Auch die FRATERNITAS SATURN1 ist eine Loge, und die Logenfeier ist einem Gottesdienst gleichzusetzen. Das Feierkleid oder rituelle Gewand ist der schwarz­seidene Logenmantel, ohne den kein Mitglied teilnehmen dürfte.

 

Soweit es sich um Vorhoflogen und Neophyten allein handelt, mag eine Beteiligung an der Logenfeier ohne Ornat noch hingehen, jedoch bei Erlangung des Gradus mercurii, ganz abgesehen von höheren Graduierungen, ist der Logenmantel unentbehrlich.

 

Jeder Magus, der sich mit praktischer Magie beschäftigt und sie ausübt, weiß aufgrund seiner Schulung, dass er unbedingt einen seidenen Mantel benötigt. Seide gilt als absolute Inkarnation gegen die Einflüsse der durch die Magie herangezogenen Astralwesen. Außerdem schützt der Mantel vor allem die Chakras des Magus, damit ihre Tätigkeit nicht von außen gestört wird. Deshalb trägt der Magus auch eine magische Mütze oder der Mantel hat eine entsprechende Kapuze, mit welcher der Kopf verhüllt werden kann.

 

Da eine rituell und magisch geleitete Loge ja in ihrem Ritual auf Beschwörungsriten und Anrufungen aufgebaut ist, erfüllt hier der Logenmantel den gleichen Zweck wie bei einem Magus.

 

Der starke magische Influxus, der in einer Geheimloge in der magischen Bruderkette tief verankert ist, erhält durch die entsprechende Bekleidung der Brüder, durch schwarze Seidenmäntel, die unbedingt nötige Basis. Unterstützt wird dieser auch naturgemäß durch das Tragen der entsprechenden Symbole. Jeder hineingetragene menschliche Störungsfaktor prallt von dem Logeninfluxus ab und macht alle fluidale oder mediumistisch versuchte Beeinflussung unwirksam. Da nun außerdem der Saturn an sich die stärkste Magie in sich birgt, ist die Bruderschaft des Saturn im wahren Sinne des Wortes unanfechtbar.

 

Es wurde im vorstehenden schon auf den Sinn und Zweck einer feierlichen Bekleidung hingewiesen. Da die FRATERNITAS SATURNI eine magische und rituelle Loge ist, d.h. dass ein magisches Ritual zelebriert wird, können Schurzfell und Handschuhe wie bei den Freimaurern nicht genügen, sondern der ganze Körper muss um der Chakras des Ätherkörpers willen gegen alle störenden und schädigenden Einflüsse aller Ebenen geschützt und abgeschirmt sein. Das aber kann nur durch einen den Körper einhüllenden Mantel erreicht werden. Die Fuß - Chakren und die des Kopfes allein bleiben unverhüllt, um sowohl den terrestrischen wie den kosmischen Einstrahlungen Raum zu geben. Und hier ist die einzig passende Schutzfarbe die schwarze, ebenso wie die Seide das rechte Material dazu bietet. Die weiße Farbe zieht wohl die guten kosmischen Kraftzentren an, aber auch des Guten kann ein Zuviel werden für die Körper­konstitution des Menschen. Deshalb ist es richtiger und besser, sich völlig neutral abzuschirmen und nur von Fall zu Fall, eventuell durch Überwurf anders­farbiger Gewandteile, sich mit besonders erwünschten Kraftzentren inniger zu verbinden.

 

Die Schwestern und Brüder des Vorhofs tragen nur den schwarzseidenen Logenmantel mit grüner Kordel, ohne jedes Emblem. Die Graduierten des Merkurgrades haben auf der rechten Brustseite des Mantels das Merkursymbol. Alle Hochgrade werden durch ein gelbseidenes Zingulum ausgezeichnet.

 

Zum Schluss sei noch eine äußerst wichtige Autosuggestion für die Anlegung des Ornats angeführt:

 

Beim Anlegen der einzelnen Bekleidungsstücke spreche man in sich hinein:

 

Mantel: Ich ziehe an den Mantel der saturnischen Erkenntnis! OM!

 

Kordelschnur: Ich umgürte mich mit dem göttlichen Willen: Thelema

 

 

Das walte der große Demiurg SATURN

 

 

 

 

Der Mantel wird aus schwarzer Seide angefertigt.

 

 

 

Der vordere, linke Teil ist rechts mit inliegenden Druckknöpfen unsichtbar befestigt, der vordere, rechte Teil (auf der Zeichnung unterbrochene Linie) hat nur die halbe Breite des Mantels und wird an der Schulter mit der Kapuze verbunden.