Die Loge

Die Loge des Saturn

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Die Loge Fraternitas Saturni
Die magische Loge Fraternitas Saturni
Ein Abriss der Grundprinzipien
1. Ziel
Primäres Ziel der Fraternitas Saturni ist es nicht, so etwas wie eine Hochschule der
Magie zu sein. Grundsätzlich geht es in erster Linie um die Befreiung des Menschen
und die Entwicklung der erforderlichen Wissenstechnologie, die sich zwangsläufig
nicht der naturwissenschaftlichen Herangehensweise und ihren Paradigmen unterwirft.
Als Wegbereiter des neuen Äons, ist es Aufgabe der Fraternitas Saturni, einen neuen,
hocheffizienten Befreiungsweg für das neue Zeitalter zu entwickeln. Wie Gregorius
schon feststellt: „Magie und Ritualistik des Fischezeitalters haben sich erschöpft und
ihre Macht verloren.“ Unsere Aufgabe ist nicht nur neue Wege zu beschreiten,
sondern sie überhaupt erst zu schaffen. Wir sind Pioniere in gefährlichem und
unbekanntem Land und wir hinterlassen für jene, die uns nachfolgen in den
kommenden Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden Wegmarken, Befestigungen,
vielleicht gar einige Brücken über gefährliche Schlünde und Abgründe: ein Tor zur
Befreiung für zahlreiche Brüder und Schwestern die uns nachfolgen.
Es sind keine ausgetretenen Pfade denen wir folgen. Die Aufgabe und die damit
verbundenen Schwierigkeiten sind gigantisch. Wenn wir sie annehmen, können wir
eine Fülle von nie da gewesenen Dingen tun. Die kühnsten Träume reichen nicht aus
sich vorzustellen was geschieht, wenn das roboterhafte Reflexbündel Mensch diese
Begrenzungen überwindet und sich selbst neu erschafft. Der Zauberer wird zwar durch
den Menschen hervorgebracht, doch er ist kein Mensch. Das sollte man wissen, wenn
man sich auf diesen Weg begibt, denn dann haben wir auch keine Zeit mehr für
Bescheidenheit, kleinliche Kindereien und menschelnde Spielchen. Wir benötigen alle
Ressourcen, Brüderlichkeit und Zusammenhalt, all unsere Kühnheit, Unverfrorenheit
und Phantasie um die Schwierigkeiten und phantastischen Abenteuer zu bestehen, die
vor uns liegen.
Wollen wir uns endlich aufraffen und in Bewegung setzen, um all die Dinge zu tun,
die nötig sind um Wege zu schaffen, die kein Mensch je gegangen? Wollen wir uns
daran machen, den Traum der Zauberei und der Freiheit endlich wahr zu machen?
Vielleicht ist es ja zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit!
2. Zauberei
Das Motto Crowleys „Das Ziel der Religion, die Methode der Wissenschaft“ ist auf
Saturnmagie nicht anwendbar, weil es nicht wirklich auf Überwindung des Systems
abstellt. Es greift schlicht zu kurz.
Wir wollen Zauberei als die Kunst Unmögliches zu tun verstehen. Da das Unmögliche
nie Bestandteil einer Kausalkette sein kann, bedeutet dies, dass die Zauberei keiner
Gesetzmäßigkeit mehr folgt, sondern die Beschränkungen durch Raum, Zeit, Energie
und Materie überwindet. Es gibt keine Wege, Rezepturen und Anweisungen zur
Herstellung von Phänomenen, denn für etwas das nicht kausal verfugt ist, kann es kein
„Wie“ geben. Mithin ist Zauberei also nicht mehr Bestandteil dieser Welt, sondern
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Angang und Werkzeug ihrer Bewältigung und Überwindung, ja vielleicht sogar ihrer
Beseitigung.
Wir können auch sagen: Dadurch, dass Magie eben nicht mehr verstanden wird als die
Erforschung und Anwendung verborgener Naturgesetze, was ja lediglich einer
Anerkennung und Bestätigung des Systems entspräche und überdies genau die
Herangehensweise der Naturwissenschaft ist, wird die „Kunst Unmögliches zu tun“ zu
einem Akt der Macht und der Systemüberwindung.
Nicht das magische Phänomen selbst steht im Vordergrund, sondern die Tatsache,
dass das Phänomen einen Verstoß gegen die Gesetzmäßigkeiten und Verfugtheit der
Kausalketten (Karma) bedeutet und damit genau genommen etwas ist, was nicht der
Welt angehört. Es ist ein Akt der Freiheit und der Macht, der nichts anderes bedeutet.
als die Umsetzung des gnostischen Leitsatzes: „Ich aber bin einer von oben.“
Schon Archimedes sagte: „Zeige mir einen Punkt außerhalb (des Systems) und ich
hebe die Welt aus den Angeln.“ Diesen Punkt durch Entflechtung oder Zerstörung des
Ursachewirkungsgefüges herzustellen, ist das eigentliche Anliegen der Saturnmagie.
Freiheit und Macht sind daher in der Saturnmagie zwei Seiten der selben Sache.
In der Saturnmagie geht es darum, der Wirklichkeit ihre Macht zu rauben und sich
dadurch zu befreien. Doch vergessen wir nicht, womit wir es zu tun haben: Maja ist
eine mächtige Göttin, die sich ihre Macht nicht so ohne weiteres rauben lässt. Es
spricht so ziemlich alles dagegen, dass es gelingt. Ist das ein Grund darauf zu
verzichten?
3. Saturn
Saturn galt klassisch als der äußerste aller Planeten. Daher rührt wohl die Vorstellung,
dass er am Ende der Welt steht. Saturn, der gleichzeitig Form- und Strukturgeber ist,
hat also offenbar zwei Gesichter. Das eine, das in Richtung Form blickt und damit die
Welt und ihre Begrenzung – Raum, Zeit, Kausalität - hervorbringt und das andere
Gesicht, das in die Leerheit schaut und aus ihr schöpft und schafft. Es ist
offensichtlich, das hier bei Saturn die Magie wie wir sie begreifen erst beginnt und die
Welt oder Schöpfung eigentlich nur das ist, was Saturn in seiner eigenen Bewegung,
in einem schöpferischen Prozess zurücklässt.
Die haben wir dann erst einmal am Hals. Sie ist uns Beschränkung, Widerstand,
Hindernis und verhüllt SAT, das reine Sein, die Leere. Mit Recht gilt Saturn damit
auch als Hüter der Schwelle. Dies nicht nur im Sinne einer abstrakten astralen oder
geistigen Grenze die es zu passieren gilt, will man „einer von oben“ sein.
Wir leben in der Materie und das bedeutet „hic Rodos hic salta“. Saturnmagie ist daher
nicht weniger als die konkrete Bemeisterung der Welt und der Materie.
Wenn der Gegenstand nicht mehr gegen mich steht, Teilung und Trennung
aufgehoben sind, dann ist die Sache nicht mehr wider mich, und mit Goethe mag man
sagen:
„es gibt kein innen und kein außen,
denn das was drinnen ist, ist draußen“
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Dann ist man einer von oben.
4. Karma
In der Saturnmagie verstehen wir Karma nicht so, wie es vielfach in der
buddhistischen und hinduistischen Folklore tradiert und seit Helena Blavatzky in der
Esoterik Szene vielfach propagiert wird. Insbesondere distanzieren wir uns von naiven
Auffassungen der Art, dass beispielsweise ein Angler als Forelle wiedergeboren wird
oder ein Schwarzmagier als Krüppel.
Karma ist wesentlich banaler. Alles was existiert besteht aus Prozessen die vielfach
miteinander verwoben sind und einander bedingen. Kausalität bedeutet dann, dass wir
nicht einen Schritt tun können, ohne dass der bestimmt und geprägt wäre durch das,
was in der Vergangenheit vorausging. Jede kleine Handlung, und sei es nur ein
Kratzen am Kopf, ist Teil einer oder mehrer Ursachewirkungsketten, die in ferne
Vergangenheit zurück reichen und wieder ihrerseits Folgen haben, die mit dem Dreck
unter den Fingernägeln beginnen und mit der in Schuppen verstreuten DNA auf dem
Hemdenkragen nicht enden.
Wir wissen nicht, wo es je begann, noch wo es endet. Da sieht man keinen Anfang.
Wir sind Gefangene dieser Kausalität.
Dinge tun zu können, die völlig aus diesem Zusammenhang heraus fallen, die kausal
nicht mehr bestimmt sind, ist nicht selbstverständlich. Es ist ein Merkmal der Freiheit
und dem Zauberer vorbehalten. Es geht um den „Hexenschritt“. Das ist jener eine
unmögliche Schritt, der weder Vergangenheit noch Zukunft besitzt. Statt der üblichen
Wechselwirkung – actio gleich reactio – reine Wirkung. Das ist Handeln ohne
Bindung und ohne Karma.
5. „Tue was Du willst“ und „non serviam“
„Tue was Du willst ist das ganze Gesetz.“ In der Tat bedeutet das Gesetz, sich von
jeglicher Fremdbestimmung zu verabschieden. Das gilt auch für das Gesetz selbst. Es
kann nicht sein, dass irgend eine göttliche Wesenheit dies bereits für mich festgelegt
hat und meine Aufgabe darin besteht, diesen Willen zu entdecken und zu erfüllen. Das
wäre nicht nur fremdbestimmt, sondern fatalistisch und ein Relikt des vergangenen
Zeitalters.
Was kann ein Mensch schon wollen? Ist der Mensch in seinem Wollen frei? Nein, er
ist es nicht. Und selbst wenn der Mensch in seinem Wollen frei wäre, wäre er dann in
der Lage es zu tun? Auch das ist nicht der Fall. Essen kann Spaß machen, doch essen
müssen ist zweifellos nichts Gutes. Gleiches gilt für Schlafen, Trinken, Atmen oder
Sterben. Wir sind noch nicht einmal in der Lage, diese einfachen Dinge zu
kontrollieren. Was soll da „Tue was Du willst“ bedeuten?
Ist jeder Mann und jede Frau ein Stern, wie Crowley meint? Ja, leider. Wie Sterne
verheizen wir uns selbst und fackeln uns ab in einem Feuerwerk, das wir mit Leben
nur verwechseln und wie Sterne sich auf sich auf Bahnen bewegen, die durch die
Gravitationspotentiale der anderen Himmelskörper bestimmt sind, sind unsere Bahnen
bestimmt durch Wünsche, Neigungen, Abneigungen und die Kräfte, die auf uns
wirken. Soll das so bleiben?
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Natürlich kann man sich damit zufrieden geben, das Gesetz von Thelema zu
interpretieren, wie man es in jeder Selbsterfahrungsgruppe lernen würde: „Lass Dir
nichts vorschreiben. Fühle was Du wirklich willst.“ Und so weiter. Für den Anfang
mag das ja gar nicht schlecht sein. Doch genügt das für einen Magier? Warum so
bescheiden?
Es geht doch um weitaus mehr. Wenn tatsächlich alles in Kausalketten verwoben ist
und mich diese Verflechtung, dieses Karma unfrei macht und mich meiner Macht
beraubt, kann mein Wille dann etwas anderes sein, als mich zuallererst davon zu
befreien? Den Mächten, die mich knechten ein „non serviam“ ins Gesicht zu lachen
und das uralte Versprechen der Schlange einzufordern? Wieso sonst sollte ich den
Pfad der Saturnmagie betreten?
Gegenüber diesem Anliegen verblasst alles andere, wird zu Farbspielen und Nuancen
im Licht der Grundschwingung meines Thelemas.
6. Freiheit
Das Wort Freiheit kommt aus dem Germanischen von „Starke Freunde haben“. Es
leitet sich ab von der germanischen Rechtauffassung, die nicht wie das römische Recht
Entscheidungen anhand von Vorschriften und Fallbeispielen trifft, sondern aufgrund
einer Mehrheitsentscheidung im Thing. Starke Freunde im Thing bedeutete, dass man
seine Angelegenheit durchgesetzt bekam, die eigene Freiheit behaupten konnte.
Darüber hinaus war es so, dass man im Verbund mit den Freunden der Natur den
(Frei-) Raum abtrotzen musste, den man brauchte um zu leben und sich zu entwickeln.
Das mag uns heute verwundern, doch die Natur hatte weitaus mehr Gewalt über den
Menschen, als dies heute der Fall ist. Erst die Gemeinschaft der Freunde, die Fähigkeit
zusammen Naturgewalten und Feinden zu trotzen, sicherte Freiheit in diesem dadurch
geschützten Raum.
Auch die Loge ist ein geschützter Raum, den wir schaffen, aufbauen und wahren. Es
ist ein Raum, der uns allen die Möglichkeit zum Wachsen und zur Freiheit geben soll.
So wie unsere Macht wächst, wird dieser Raum zunehmen und immer mehr möglich
machen, was sonst undenkbar wäre.
Und: Freiheit ist wesentlich mehr als nur zu tun was man will. Wille kommt nämlich
von wählen und schon das ist eine Einschränkung. Denn wählen können bedeutet auch
wählen müssen. Und was hat „müssen“ mit Freiheit zu tun? Steht dann auch noch nur
Pest oder Cholera zur Auswahl, dann ist endgültig klar, dass dies nicht die Freiheit
sein kann, die wir meinen. Freiheit gibt es eben nur jenseits der Kausalität. Dort, wo
dann Dinge hergestellt werden, die nie zur Wahl standen – die einfach nicht
vorgesehen sind. Das ist dann Saturnmagie. Das ist Freiheit.
7. Brüderlichkeit
Menschliche Gemeinschaften sind immer Notgemeinschaften, in denen es darum geht,
die eigenen Chancen und Möglichkeiten zu verbessern und das Überleben zu sichern.
Das gilt zunächst auch für die Fraternitas Saturni. Es geht um Überleben – in
zweifacher Hinsicht -, und um den Freiraum den wir hierzu der Welt abtrotzen. Und es
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geht um die ungeheuerliche Aufgabe, die wir als Loge akzeptiert haben: Wegbereiter
eines neuen Äons zu sein.
Vor diesem Hintergrund kann nur gelten: Die Bruderschaft ist ein Bund, der für das
Leben geschlossen wird und prinzipiell auch darauf ausgerichtet ist, mindestens das
ganze Leben zu halten. Man muss sich nicht lieb haben, um miteinander zu arbeiten.
Es genügt vollkommen, sich gegenseitig zu achten. Wir haben früher in diesem
Zusammenhang von „eiskalter Gutheißung“ gesprochen, die wir einander entgegen
bringen wollen, denn schnulzige Gefühle reichen einfach nicht aus. Nichts gegen
Gefühle. Schadet ja nicht, wenn sie da sind. Und es ist ja auch schön, wenn man sich
lieb hat, sich zu Hause und geborgen fühlt. Warum sollte man das nicht genießen?
Doch bauen kann man darauf nicht, denn auf Gefühle ist kein Verlass. Sie kommen
und gehen, wie die Säfte halt gerade fließen. Das kann uns nicht genügen. Nicht wenn
wir all das ernst meinen, was wir uns vorgenommen haben.
Wenn wir als Loge und in der Loge weiter kommen wollen, dann ist es unbedingt
erforderlich, dass man sich auf jeden einzelnen verlassen kann. Es ist wie bei einer
Expedition in unbekanntes Gelände. Ich muss die anderen Mitglieder der Expedition
nicht lieb haben, aber ich muss mich verdammt noch mal darauf verlassen können,
dass derjenige, der mich gerade mit dem Seil in der Bergwand sichert, dabei notfalls
alles aufbietet was er hat. Ich darf mit Recht erwarten, dass er dabei sein Leben
riskieren würde, denn ich würde das gleiche für ihn tun. Anders kann unser Vorhaben
nicht durchgesetzt werden.
Hat man erst einmal beschlossen, dass man zumindest in diesem Leben nicht mehr
auseinander geht, dann kann man natürlich ganz anders miteinander umgehen. Es ist
entlastend zu wissen, dass die Frage gehen oder bleiben in keiner Situation mehr eine
Rolle spielen wird. Der Frater/Soror – Grad ist daher keine einseitige Angelegenheit.
Es ist nicht nur der Bruder oder die Schwester, die damit eine Verpflichtung eingeht,
sondern auf der anderen Seite natürlich die Loge, die in diesen Bund einwilligt und als
äußeres Zeichen den Titel Frater oder Soror verleiht.
Wenn wir fordern, dass allen Brüdern und Schwestern der gleiche Respekt, die gleiche
Gutheißung entgegen gebracht wird, dann ist klar, dass damit auch eine Bewältigung
des sozialen Gefüges und der üblichen sozialen, reflexgestützten Verhaltensweisen
einher gehen muss. Eine äußere Hierarchie und eine auf äußeren Regeln basierende
Ordnung ist für eine Gemeinschaft die „tue was Du willst“ zu ihrem Motto erkoren
hat, kaum der geeignete Weg das Miteinander zu organisieren. Auf der anderen Seite,
können wir nicht bei jede kleine Frage abstimmen und diskutieren oder an jeder
Wegmarke anhalten und wie verwirrte Hühner gackernd in alle Richtungen laufen.
Es ist offensichtlich, das da ein Problem besteht, das im konventionellen Rahmen nicht
zu lösen ist. Es ist ebenso klar, dass wir das Problem derzeit keineswegs gelöst haben.
Einige von Euch wissen sogar, dass wir in dieser Beziehung schon einmal ein ganzes
Stück weiter waren. Das ist gut, denn es sollte uns zuversichtlich stimmen, dass wir
zumindest das recht schnell wieder erreichen können.
Dazu ist es erforderlich einige Prozesse anzustoßen. Was sind die Grundprinzipien,
nach denen eine magische Loge der Zukunft funktionieren kann? Es ist wichtig, dass
sich jeder mit dieser Frage befasst, dass wir alle dies begreifen und umsetzen. Wir
können eine magische Loge nicht so organisieren wie einen Kaninchenzüchterverein –
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Die Loge Fraternitas Saturni
das ist uns allen klar. Eine magische Loge ist auf Basis der üblichen sozialen Reflexe
und der daraus resultierenden Spiele nicht denkbar. Der Schlüssel ist vielmehr die
gemeinsame Ausrichtung, der Egregor und eine besondere Form des Umgangs
miteinander. Hier wird sich entscheiden, ob wir es schaffen, eine magische Loge
herzustellen, für die es keine Begrenzung mehr gibt. Lasst uns gemeinsam daran
arbeiten!
8. Das Prinzip der Resonanz und Rückkopplung
Hält man ein Mikrofon vor einen Lautsprecher, so wird selbst ein geringer Ton in
kürzester Zeit anschwellen und weil der Verstärker dann sehr schnell überfordert ist, in
einem lauten Pfeifen enden. Man spricht von positiver (=verstärkender
Rückkopplung).
Geht eine Gruppe von Soldaten im Gleichschritt über eine Brücke, dann kann die
Brücke zum Einsturz gebracht werden, sofern die Resonanzfrequenz angeregt wird.
Solche Fälle sind bekannt. Es ist Soldaten daher untersagt, im Gleichschritt über eine
Brücke zu marschieren.
Beim Laser, werden beide Prinzipien miteinander kombiniert. Das Ergebnis ist ein
Lichtstrahl mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Das Licht fächert kaum auf (gleiche
Ausrichtung) und kann sogar dazu verwendet werden, dicke Stahlplatten zu schneiden.
Mstr. .:Orpheus:. wies mich darauf hin, dass schon Mstr. .:Gregorius:. daran gearbeitet
hat, beide Prinzipien in der Loge umzusetzen.
Ein Beispiel ist mit der Funktion des Großmeisters verbunden. Der Meisterkreis macht
ein Mitglied aus seiner Mitte zum Großmeister. Das ist wörtlich zu verstehen und
meint nicht den Vorgang der Wahl, der zwangsläufig voraus gehen muss. Es ist auch
nicht die feierliche Inthronisation des Großmeisters gemeint, die aber durchaus Teil
dieses Prozesses sein kann.
„Der Meisterkreis macht ein Mitglied aus seiner Mitte zum Großmeister!“
Idealerweise und im Hinblick auf die Prinzipien der Resonanz und Rückkopplung
sollte dies ein permanenter Prozess sein, so wie es umgekehrt ein permanenter Prozess
sein muss, dass der Großmeister die Meister zu Meistern macht. Das mag vielleicht
jetzt etwas verquer klingen. Vom Prinzip her geht es darum, etwas in Gang zu
bringen, was sich immer weiter aufschaukelt. Das war die Idee, die .:Orpheus:. mir
nahe bringen wollte und was sowohl das Prinzip der positiven Rückkopplung wie auch
das der Resonanz einschließt. Natürlich bezieht dieser Prozess auch die Mitglieder des
Vorhofs ein. Wenn wir es schaffen, dieses Prinzip umzusetzen, wird uns das einen
Riesenschritt voran bringen.
Mehr möchte ich an dieser Stelle zu diesem Thema noch nicht sagen, außer vielleicht,
dass es natürlich auch im Verhältnis zwischen Mentor und Schüler umzusetzen wäre.
Hier will ich erst einmal an die Kreativität und Phantasie jedes Bruders und jeder
Schwester appellieren, Ideen zu entwickeln, wie diese Prinzipien in der Loge
umgesetzt werden können. Gelingt uns das auch nur ansatzweise, dann ist gegen das,
was daraus resultiert das berühmte Tepaphon ein Kinderspielzeug.