Die innere und äußere Form eines Rituals

∴ Torres Actor Fin ∴
DIE ÄUßERE - INNERE UND GEHEIME FORM EINES RITUALS
von Mstr ∴ T.A.F ∴
Erstmals besprochen am Ostertreffen in Oberhofen /Schweiz.
(30. und 31. März 1994)
Im "Liber Elementorum" steht geschrieben, daß der Saturnweg von drei Säulen getragen wird: Der saturnalen Lehre, dem Symbol und dem Ritual.
Tatsächlich ist das Ritual das Instrument, um die Essenz unseres saturnalen Weges zu erleben, zu erfassen und dadurch zum Ziel unseres Weges zu gelangen: zur Gnosis.
Das bedeutendste Ritual unserer Loge ist der "Ritus Major", der Große oder Generelle Ritus, weil er alle Mitglieder unserer Loge verbindet.
Würde es uns gelingen, diesen Ritus ein einziges Mal "In Ordnung" zu praktizieren, das heißt, ihn perfekt auszuführen, dann könnten wir dadurch die letzte Gnosis erlangen. Deshalb ist das Ritual das wichtigste Werkzeug unserer saturnalen Magie, weil es uns direkt zum Ziel führt.
Um das Ritual in seiner Ganzheit zu vollziehen ist es erforderlich, alle drei Formen in der Ausübung des Rituals zu berücksichtigen. Das Ritual muß als Einheit verstanden werden, so wie wir Menschen eine lebende Einheit darstellen. Wir haben einen physischen Körper, wir verfügen über Energie (in anderen Systemen "Seele" genannt) und über Geist, der sich durch Bewußtheit manifestiert.
Analog dazu besteht das Ritual ebenso aus drei Formen:
• Aus dem “Körper” des Rituals, seiner äußeren Form.
• Aus der (Energie)qualität eines Rituals, seiner inneren Form und
• Geist und Bewußtheit, seiner geheimen Form.
Die äußere Form umfaßt das Sichtbare und Wahrnehmbare des Rituals.
Die innere Form bezieht sich auf die Vorgänge, die sich während des Rituals in uns abspielen.
Die dritte Form wird deshalb geheim bezeichnet, weil sie in Worten nicht oder nur unzureichend mitteilbar, also “geheim” ist.
Jeder der drei Formen umfaßt wiederum drei Aspekte:
• den Aspekt des Körpers,
• den Aspekt der Energie und
• den Aspekt des Geistes.
Jeder Aspekt beschreibt Handlungen oder Vorgänge innerhalb einer bestimmten Form des Rituals. Diese Darstellung verdeutlicht die hohe Komplexität eines Rituals, wie es in der Fraternitas Saturni gelehrt und ausgeführt wird.
Im Folgenden beschreibe ich die äußere, die innere und die geheime Form eines Rituals. Diese Erklärungen sind in der herkömmlichen Literatur nirgends zu finden und stellen
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möglicherweise eine einzigartige Betrachtungsweise der zeremoniellen Magie dar. Sie sind Bestandteil des persönlichen Unterrichts, den Neophyten in der Fraternitas Saturni erhalten, wobei aus Gründen der Arkandisziplin hier nur eine allgemeine Beschreibung gegeben wird.
Ich möchte diese Erklärungen durch Beispiele verdeutlichen und beginne mit seiner
äußeren Form, dem “Körper” eines Rituals:
Die äußere Form des Rituals
Diese umfaßt das sichtbar Wahrgenommene, das von außen Erlebbare eines Rituals: die Zeremonie. Wenn wir die Gesamtheit der Zeremonie hinsichtlich ihrer drei Aspekte untersuchen, so ergibt sich folgendes Bild:
Der Körperaspekt umfaßt zum Beispiel
* Das rituelle Schreiten beim Betreten des Tempels und innerhalb dessen.
* Die korrekte Haltung beim Sitzen, Stehen (Asanas) oder Schreiten.
* Gesten, Mudras und das Schlagen der Symbole
* Schläge und Geläute
Der Energieaspekt beinhaltet
* Die Atemtechnik (Pranayama) während des Rituals
* Alle magischen Formeln, Anrufungen, Gesänge und Mantras
* Körperstellungen, wie z.B. das korrekte Stehen in der Bruderkette.
Der Geistaspekt umfaßt die Wahrnehmung, das Erkennen und das Verstehen der Symbole und Handlungsabläufe.
Die äußere Form eines Rituals gleicht einem Gefäß, das die Essenz beinhaltet. Um seinen Inhalt in sich aufnehmen zu können, muß der Adept das Gefäß handhaben können. Aber ohne Inhalt ist auch das kostbarste Gefäß nutzlos. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die äußere Zeremonie perfekt durchzuführen, sondern auch die innere Form zu beherrschen, um dadurch zur geheimen Form eines Rituals zu gelangen.
Die innere Form des Rituals
Sie umfaßt die Aktivierung der Energiezentren und Energiebahnen (Chakren und Nadis) im feinstofflichen Körper des Praktizierenden. In Übereinstimmung mit der äußeren Form werden Energieströme (Chi, Prana) durch das Ritual zum Fließen gebracht und die entsprechenden Energiezentren aktiviert. Die Kraft jedes Teilnehmers verbindet sich dann in der magischen Kette zu einer machtvollen Energiedynamide, die eine Verbindung zwischen der Logenebene und der saturnalen Ebene herstellt.
Auch die innere Form weist drei Aspekte auf:
Der Körperaspekt beinhaltet die Kanäle und Energiezentren, die während des Rituals aktiviert werden.
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Der Energieaspekt wird durch die Art und Qualität der Energie und durch das Fließen der Energie im Inneren und nach außen beschrieben.
Der Geistaspekt umfaßt das Erleben und das Verinnerlichen der Symbolstruktur, verbunden mit der Schauung, wodurch das Bewußtsein in den Zustand einer gnostischen Trance gelangt.
Die geheime Form des Rituals ist durch Worte nicht faßbar, weil hier die Grenzen zwischen dem Innen und dem Außen verwischen und die Dualität sich aufzulösen beginnt (Liber AL, I/22: "Machet bei euch keinen Unterschied zwischen einem Ding und einem anderen, denn dadurch kommet Schmerz").
Es ist ein Zustand des Bewußtseins, der durch drei Eigenschaften gekennzeichnet ist: Präsenz, Klarheit und vollkommene Harmonie. Im Hinduismus wird dieser Zustand bezeichnet durch
• Sat, das reine Sein, die vollständige Präsenz oder das Gewahrsein
• Chit, die vollkomme Klarheit des Bewußtsein und
• Ananda, die reine Glückseeligkeit oder Harmonie.
Die Erlangung dieses Zustandes ist gleichbedeutend mit dem Endziel des Rituals: der Gnosis. Es ist der Zustand des erleuchteten Bewußtseins, in dem der Geist seine wahre Natur erkennt und die Wirklichkeit jenseits der Schleier unserer Illusionen wahrnimmt.
Der Ausbildungsweg der Fraternitas Saturni ist auf dieses Ziel hin orientiert. Er zielt darauf ab, dem Neophyten Fähigkeiten und Können zu vermitteln, die ihm in die Lage versetzen, das Logenritual in allen Formen und Aspekten korrekt zu vollziehen. Erst wenn der Neophyt dazu in der Lage ist, hat er die Reife der Meisterschaft erlangt.
∴T.A.F ∴
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