Über das thelemitische Saturnritual

Fraternitas Saturni as Thelemitische Saturnritual VovoD rtrag Herbstloge 7. Oktober 1995 n ∴T. A. FQ Das Thelemitische Saturnritual ist ca. 10 Jahre alt. Und es verbindet uns mit einem Kraftstrom, der vor einigen tausend Jahren initiiert wurde. Der Transmitter dieses Stromes ist die „Stele der Offenbarung“, und deshalb wollen wir uns zuerst mit dieser befassen. Die Stele Wie allgemein bekannt entdeckte Crowley (Perdurabo) im März 1904 die Stele im Boulak-Museum in Kairo. Das Ausstellungsstück trug die Nummer 666, die Zahl des Tieres, seine Zahl! Am 8., 9. und 10 April 1904 wurde Perdurabo durch Aiwass das Liber Al Vel Legis diktiert. Crowley ließ vom Hilfskurator des Museums die Inschriften der Totenstele des Ankh-f-n-Khonsu übersetzen und eine Kopie anfertigen. Das war's fürs Erste, denn Crowley konnte zu diesem Zeitpunkt mit dem kryptischen Text des Liber Al nichts anfangen. Die Grabstele des Priesters Ankh-f-n-Khonsu stammt aus der 26. Dynastie. Sie zeigt den Priester, der hinter einem Gabentisch dem falkenköpfigen Gott Ra Hoor Khuit opfert. Darüber strahlt der geflügelte Sonnendiskus mit den beiden Uräusschlangen. Eingerahmt wird die Stele vom allesumspannenden Körper der Himmelsgöttin Nuit. Die Stele vereinigt somit alle drei Prinzipien unseres Thelemitischen Saturnrituals: Die Himmelsgöttin Nuit, Leerheit und Raumunendlichkeit, das absolute Nichts (Ain), das alle Möglichkeiten beinhaltet. Das "große Sein". Die Flügelsonne (Behedeti) als Symbol des Hadit. Die Achse im Kreis, der unendlich kleine Bewußtseinspunkt (nullte Dimension) des „reinen Seins“. Der wahre Wille. Ra Hoor Khuit (Re Harachte), das Ergebnis der Berührung von Nuit und Hadit, die solar-marsische Ausprägung des Sonnengottes Heru Ra Ha, dessen Zwillingsbruder Hoor Pa Kraat (Harpokrates) die saturnale Qualität verkörpert. Der Kraftstrom des Drachenkultes Um die Bedeutung der Stele zu verstehen, müssen wir den geschichtlichen Beginn der ägyptischen Magie betrachten, der sich aus den afrikanischen Totemkulten entwickelt hat und vorwiegend Tiergottheiten kannte. Nach Kenneth Grant und Gerald Massey leitete sich daraus die erste religiös-magische Periode des alten Khem ab, die Sabeische oder Sternenkult-Periode Der sabeische Kult verehrte die Muttergottheit TaUrt, die durch die sieben Sterne ("Großer Wagen") des Ursa Major dargestellt wurde. Der Hypopotamus war die Glyphe für die Konstellation, die später der „Große Bär“ genannt wurde. „Die sieben Sterne der Göttin, welche die Wasser des Himmels erleuchteten“ korrespondieren mit den sieben Stufen der menschlichen Bewußtseinsentwicklung. 1 Fraternitas Saturni Die Muttergottheit der sieben Sterne gebar ihren männlichen Sohn Set. Seine planetarische Entsprechung ist Saturn, seine interstellare Fixsternentsprechung ist Sirus (Sothis, griechisch) im Sternbild des Großen Hundes (Hundstern). Set wird auch als der dunkle Zwillingsbruder des Horus bezeichnet, deshalb entspricht Set dem Sirus B (astronomisch ein Weißer Zwerg, daher sehr geringe Helligkeit), Horus hingegen dem Sirius A (hellster Stern am Himmel). Die enge Beziehung zum Sonnengott wird durch viele Details aufgezeigt: Set - Oberägypten, Horus Unterägypten. Set bewachte als Kriegsgott die Sonnenbarke des Re, um diesen gegen die Apophis-Schlange zu schützen. Sirius wird auch als die „Schwarze Sonne“ bezeichnet mit solar-saturnischer Qualität. Der A∴A∴ (Argentum Astrum - Silberne Stern) leitet sich vom Stern des Set = Sirius ab. Die große Mutter (Hypopotamus) wurde auch TaUrt genannt, später bekannt in seiner griechischen Bezeichnung als Typhon, der das erste Licht in der Dunkelheit des Himmels (des großen Wassers) spendete und deshalb auch die Bezeichnung „Drache der Tiefe“ erhielt. Während dieser Zeit bildeten sich die Drachen- und Schlangenkulte. Dragon ist das feuerspeiende Tier der Großen Tiefe des Raumes, der in enger Verbindung mit den Kulten der Feuerschlange (Kundalini) stand. „Ho Ophis ho archaios, ho drakon ho megas...“ Möglicherweise ist in diesen Kulten der Ursprung der indischen Tantras zu finden. Set wurde durch das typhonische Tier dargestellt oder durch einen Menschen mit dem Kopf dieses Tieres: lange, gebogene Schauze, aufrecht stehenden, oben eckig beschnittenen Ohren, erhobener, an der Spitze gespaltener Schwanz (Satansschwanz heute!). Der Drachenkult wurde von den lunaren Kulten abgelöst, die den Mond als präziseren Zeitmesser als die Sterne erkannten. Unter den Hyksos-Pharaonen gelangte Set noch kurz zu Ansehen, weil die Hyksos ihn mit ihrem eigenen Gott Sutech verbanden. Schließlich endete der Kult in der XVII. Dynastie (ca. 1.600 v.d.Z.), in der Set als die Personifikation des Bösen schlechthin abgetan wurde und er mit seinem Feind Apophis gleichgesetzt wurde. Ankh-f-n-Khonsu, ein thebanischer Priester des Amen, der in der XXVI. Dynastie (663-625 v.d.Z.) lebte, versuchte den Drachenkult des Sebek-Ra (Set) wieder herzustellen. Seine Mission fehlte und der Kraftstrom des Drachenkultes ruhte fast zweieinhalbtausend Jahre, bis er durch das Aiwass-Diktat an Aleister Crowley übertragen wurde. Dieser Kraftstrom ist aufauflösbar an die Stele und an das Gesetz von Thelema verbunden. Die Stele ist der Transmitter dieses Kraftstromes und jeder Adept, der eine entsprechende thelemitische Initiation erhalten hat, ist durch diese Übertragung in den Kraftstrom eingebunden. Deshalb ist die Fraternitas Saturni durch die Akzeptanz des thelemitischen Gesetzes (wenngleich dies auch saturnal modifiziert wurde) ein Bestandteil des „93 Current“, dessen gnostische Wurzeln in den beschriebenen ophidischen Kulten ruhen. Thelema - Agape - Aiwaz Zahlenwert 93 2 Fraternitas Saturni Die Struktur des Rituals Das Ritual basiert auf der Zahl Drei (Meister - Erster Aufseher - Zweiter Aufseher). Jeder der drei Ausführenden entspricht einer „Entität“, mit der er/sie sich voll identifizieren sollte. Das Ritual besteht aus drei Teilen: Aufbauphase: Einstimmung, Räucherung, Eröffnung, Verkündigung des Gesetzes Invokationsteil: Thelemitische Triade Verwirklichung (Körper: Stärke und Energie, Seele: Klarheit und Reinheit Geist: Feuer des Willens) Invokation der saturnalen Triade Saturn - Lucifer - Sat Abschließende Phase: Kette, Verlöschen der Lichter der thelemischen Triade, Segnung, Schließen der Arbeit Dieses Ritual kann auch alleine in Form einer „rituellen Meditation“ durchgeführt werden. Idealer Zeitpunkt: Samstag nachts (23.00 bis 24.00 Uhr/) oder Sonntag morgens (10.00 bis 11.00 Uhr/Saturn) Die Vorbereitung Das Mantra Crowley führt folgendes Mantra an: A KA DUA Einheit, aufs höchste offenbart TUF UR BIU Ich bete an die Macht deines Atems BI Ä CHEFU erhabener und furchtbarer Gott DUDU NER AF Der du die Götter und den Tod AN NUTERU vor dir erzittern läßt. Ich, ich bete dich an Das Mantra löst nicht nur hervorragend den gnostischen Trancezustand aus, sondern es aktiviert auch die innere Feuerschlange (Kundalini). Um es zu verwenden, muß es - wie jedes Mantra - internalisiert, d.h. verwirklicht werden durch die entsprechende Mantra-Akkumulation (99.000 Wiederholungen). Die Wächter Stelen sind magische Türen, Verbindungen mit dem „drüben“. Sie eignen sich besonders gut für den Einstieg „hinüber“ bzw. für die Projektion ihrer Energie nach außen (Sendefunktion). Deshalb bezeichne ich sie auch als Transmitter, als Tor, das in beide Richtungen beschritten werden kann. Darin liegt auch die Gefahr, denn die „Stele der Offenbarung“ verbirgt machtvolle Entitäten (Wächter), die ein unbefugtes Betreten jenes Bereiches verhindern. Wenn manche Autoren empfehlen, die Stele wie einen „Bildschirm“ zu gebrauchen und zum Experimentieren auffordern (Jörg Röstel: „Ägyptische Magie“), halte ich das für eine bedenkliche Empfehlung. Die Arbeit mit der Stele kann ein Eintauchen in den oben beschriebenen ophitisch-typhonischen Kraftstrom bewirken und Verbindung mit jenen Entitäten gewähren, die diesen initiiert haben. Der Zugang dazu erfordert jedoch nicht nur eine entsprechende Vorbereitung, sondern auch eine Initiation, die mit der Ermächtigung zum Zugang verbunden ist. Ohne die Initiation für eine Stelenarbeit bleibt diese entweder wirkungslos und gleitet in eine unterhaltsame Visionsreise ab, oder der „Eindringling“ 3 Fraternitas Saturni wird mit den Wächtern konfrontiert, was im Schlimmsten Fall physischer Tod oder Wahnsinn bedeutet. In der Regel treten die Wächter paarweise auf, insgesamt gibt es acht. Ob diese mit den 4 Horussöhnen (Kanopengötter, repräsentieren die vier Himmelsrichtungen) plus 4 Wächter der Zwischenrichtungen ident sind, konnte ich nicht verifizieren. Die Herstellung der Stele Da es glücklicherweise keine vorgefertigten Stelen gibt, muß sich jeder seine Stele selbst anfertigen. Das Format der Originalstele wird mit 51,5 x 31 cm angegeben, Material Holz. Selbstverständlich kann auch jedes andere Material dafür verwendet werden, ausschlaggebend ist außer der Bearbeitung auch die Imprägnierungsfähigkeit des Trägermaterials. Besonders geeignet ist ein Ton-Wachsgemisch, das sich nach dem Trocknen hervorragend gravieren und bemalen läßt. Die Weihe der Stele erfolgt am besten durch jemand, der eine entsprechende Initiation erhalten und diese durch die Praxis umgesetzt hat. Die Annahme der Gottform Crowley hat diese Technik anhand der Gottform des Harpokrates genau beschrieben. Für die Stelenarbeit ist die Annahme der Gestalt des Ra Hoor Khuit erforderlich, weil alle Formen der Stelen-Magie am vorteilhaftesten in der Visionsgestalt des R.H.K. durchgeführt werden. Dieser kann sowohl sitzend als auch stehend (Angriffsstellung) visualisiert werden. Die fünf Formen der Magie Werden Akte der Magie anhand ihrer Zielsetzung klassifiziert, dann ergibt sich folgendes Schema: Riten der Bereicherung Werden ausgeführt um generell etwas zu erhalten oder abzusichern. Etwa um Gesundheit zu erhalten oder den Wohlstand zu erhöhen, einen guten Job oder eine größere Wohnung zu finden. Auch die Ladung von Talismanen oder Sigillen zum Nutzen des Anwenders zählen dazu. Riten der Bereicherung können natürlich auch für andere durchgeführt werden, z.B. Heilung. Riten der Verzauberung Umfassen alle Handlungen die darauf abzielen, jemandem oder etwas den eigenen Willen aufzuzwingen. Dazu gehören Liebeszauber genauso wie das Beherrschen von Elementalen, Zwischenwesen, Dämonen oder des eigenen Chefs, der eine Gehaltserhöhung genehmigen soll. Riten der Verzauberung beugen oder brechen das Thelema einer anderen Person/Entität. Riten des Kampfes Darunter fallen alle Formen der magischen Abwehr und Verteidigung oder des Angriffs. Der zornvolle Aspekt der Magie findet nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich unter rivalisierenden Praktikanten, sondern auch im Bereich des Dämonezwangs seine 4 Fraternitas Saturni Anwendung. Die "Schwarze Fast" und Rituale aus den Grimmoiren zählen zu den Methoden dieser Magie. Riten der Verehrung Diese Rituale entsprechen in ihrer Form einem Gottesdienstes und tragen mystische und teilweise religiöse Züge. Glaube, Verehrung und Anbetung sind Arten der Annäherung eines Adepten an seine Gottheit. Die Trennung zwischen ihm und seiner Gottheit bleibt erhalten, Opferhandlungen sind ein wichtiger Bestandteil. Alle theurgischen Rituale zählen dazu. Riten der Illumination Einweihung und Gnosis sind die Ziele dieser Riten. Zu dieser Kategorie zählen die meisten Logenrituale, die Erkenntnis, Weisheit und die Selbstveredelung zum Ziel haben. Die Annahme von Gottformen, wie sie von Crowley beschrieben wird, ist ein Beispiel für einen illuminierenden Ritus. Der Praktikant identifiziert sich vollständig mit seiner Gottheit. Indem er sein Ego zurücknimmt, nimmt er ihre Qualität, ihre Macht und Stärke völlig in sich auf. Die Trennung ist aufgehoben, er wird zur Gottheit. Das östliche Gegenstück ist die tibetische Yidampraxis, die das Ziel beinhaltet, den Zustand der Konzeptlosigkeit zu erreichen. Aber auch Initiations- und Einweihungsrituale, die den Aufgenommenen mit dem Kraftstrom verbinden, gehören zu diesem Ritus. Die Praxis In der Regel dauert die Herstellung einer etwas anspruchsvolleren Stele einige Wochen bis einige Monate. Diese „Aufwärmzeit“ sollte zum Einstimmen genützt werden: Mantra-Akkumulation, das Üben der Annahme der Gottform, Einlesen in altägyptische Mythologie und das Kennenlernen des Götterpantheon sind nützliche Vorbereitungen. Ist die Stele fertig, sollte sie in einem Akt der Initiation dem Praktizierenden überreicht werden, wodurch dessen Ermächtigung gegeben ist. Ich betrachte die Stelenarbeit als ein vollständiges und in sich abgeschlossenes System, wobei die Verwirklichung der Qualitäten der Thelemischen Triade zur höchsten Illumination und Gnosis führen kann. Aus diesem Grund empfehle ich, diesen Ritus über einen längeren Zeitraum als tägliches „Heinritual“ durchzuführen, wobei der meditative Teil der Thelemischen Triade beliebig ausgedehnt werden kann. Gerade das Eintreten in die unendliche Leerheit der Nuit vermittelt jene Grundlagen, auf der Magie basiert. Gelingt es, in der Leerheit den Bewußtseinspunkt des Hadit zu stabilisieren, dann befindet sich der Adept im Zustand der Wachheit, die seine Kristallisation gegenüber der Leerheit ermöglicht. Vermag er dann noch den dynamischen Aspekt des RHK zu realisieren, dann hat er das Fließen zwischen Form und Leerheit erkannt. Leerheit ist Form, Form ist Leerheit. Selbstverständlich bietet sich darüber hinaus auch die Möglichkeit, die fünf Formen der Magie durch die Annahme der Gottform durchzuführen. Im Folgenden will ich einige Beispiele geben, wobei diese nicht als Rezepte, sondern als Anregungen für selbständiges und kreatives Arbeiten dienen sollen. 5 Fraternitas Saturni Riten der Bereicherung Der Adept sitzt als Horus im Herrschersitz. Vor ihm kniet der Adept und verehrt Horus als den höchsten Gott. Aus Horus ausgestreckten Händen strömen goldgelbe Tropfen von Lebenskraft in der Form von Ankh-Kreuzen in den Körper des Adepten (Lebenskraft, Gesundheit, Heilung). Der Adept steht als Horus in der „Angriffsstellung“. Von seinem Herzen ausgehend strömt ein roter Energiestrahl durch seine Hände in das Herz des Adepten, der vor Horus steht (Tatkraft, Kampfgeist). Der Adept sitzt als Horus im Herrschersitz. In seinem Herzchakra dreht sich linksdrehend eine Swastika, während er das Mantra intoniert. Durch die Saugkraft der linksdrehenden Swastika werden alle die Dinge angezogen, die der Adept begehrt. Gleichzeitig visualisiert er dessen Verwirklichung in der Koexistenz der Zeit. Riten der Verzauberung Der Adept als Horus, Angriffsstellung. Roter Energiestrahl vom Herzen ausgehend durch Hände in Herz der zu beeinflussenden Person mit klarer Willenssatz-Visualisation. Der Adept als Horus im Herrschersitz. In dessen Händen (schalenförmig gehalten) wird eine Licht- oder Elementestauung durchgeführt und ein Elemental/Elementar geboren. Willensatz und Programmierung! Riten des Kampfes Der Adept als Horus in Angriffsstellung. Im Herzen rechtsdrehende Swastika, die rotgrühende, drehende Swastika-Funken durch die ausgestreckten Hände aussenden. Lösen Widerstände auf, zerteilen Bindungen, zersetzen den Astralkörper des Gegeners und zerstören dessen Energiesystem (Blockieren der Chakren). Auch eigene Blockaden können dadurch aufgelöst werden, man visualisiert sich Horus gegenüber. Riten der Verehrung Dienen in erster Linie zur Annäherung und Intensivierung der Hingabe an die Gottheit (duale Ebene). Riten der Illumination Vollzug von Einweihungen und Initiationen auf dualer und nondualer Ebene (Selbstinitiation). 6